Wenn wir uns gedulden, werden wir irgendwann ein Teil dessen, was uns umgibt. Wenn der Atem irgendwann nicht mehr ist, als ein Geräusch unter vielen, das sich harmonisch in den Klang der Natur mischt. Wenn der Geruch der Haut der Geruch des Nebels und des Waldes wird, wenn das Flüstern der Stimmen sich irgendwo zwischen dem Moor und dem grauen Himmel verliert und sich im Murmeln der Tiere und Vögel vermengt. Ruhe zwischen uns. Ich sammle Moos und lege es auf deinem Körper ab, während du schweigend in deinem Buch liest, ohne mir einen Blick zu schenken; bis du irgendwann deine Finger ausstreckst, um nach meiner Hand zu greifen. Ich küsse deinen Hals, lasse mich neben dich gleiten, um in die warme Tristheit der Wolken zu schauen. Neben der stillen Harmonie der Natur sind all die lauten Leben mit ihren Problemen auf einmal so nichtig. Schweigen. Manchmal ist es fast, als hätten wir zu sprechen verlernt. Ich fühle mich nur wie eine blasse Figur in einem verschwommenen Bild, doch das reicht mir aus, für diesen Moment. Vielleicht reicht es mir auch für immer; einfach neben dir liegen und in der Welt aufgehen – und die Welt in mir aufgehen lassen.
 Weltasche – Kapitel 4
3 Kommentare
  1. Daryl
    Daryl sagte:

    Brech mir ein Stück der Welt ab und verpacke es in einer Geschichte oder einem kleinen Text, dann kommt sowas dabei raus. So kommt es mir jedenfalls immer vor wenn ich etwas von dir lese. Es ist als würdest du alles schöne in Worte fassen können, was eigentlich gar nicht in Worte zu fassen ist. Du verleihst den ausdruckslosen Dingen im Leben einen Charakter. Ich weiß nicht wie du es machst, ich will es auch gar nicht wissen, denn dieses bisschen Magie in deinen Worten will ich mir bis zum Ende aller Tage erhalten. Hör niemals auf Schönheit in Worte zu fassen, denn du kannst es besser als alle anderen.

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