Dein Leben ist wie deine Kleidung: Es muss passen, damit du dich wohl fühlst. Es muss mit dir wachsen und sich mit dir bewegen können. Ist es zu groß, gehst du darin unter, stolperst immer wieder über deine eigene Füße, fühlst dich unzureichend und unbedeutend. Und du weißt nicht wohin, weil alle Wege offen stehen. Ist es zu klein, kannst du dich nur schwer bewegen, dich schwer entfalten. Du siehst das Ziel, aber es ist unmöglich zu erreichen, weil so vieles am Zusammenspiel von dem, was du sein möchtest, und dem, was du bist, nicht stimmt.

Dein Leben ist wie dein Haus. Es muss dich widerspiegeln und dich gleichzeitig beherbergen. Hat es zu viele Räume, fühlst du dich leer und dünn; als könntest du keinen Punkt finden, an dem du dich und alles um dich herum konzentrieren kannst. Hat es zu wenige Räume, bleibt kein Platz zum Leben, kein Platz zum Ausbauen und zum Denken.
Mein Leben ist wie zu kleine Kleidung, wie ein Haus mit zu wenigen Zimmern. Wie auch mein Köper nicht zur Seele zu passen scheint, passt mein Leben nicht zu mir. Vielleicht passt die Welt auch nicht zu mir. Oder ich passe nicht zu dieser Welt. Alles erscheint mir so klein und begrenzt. Kein falscher Weg, kein falsches Wort, kein falscher Schritt. Entscheidungen bestimmen die Zukunft, Geld bestimmt die Qualität, Geburt bestimmt das Ansehen, Aussehen die Beziehungen. Und ich denke, ich passe einfach nicht hinein, in diesen Sumpf aus Zufällen, Glück und Unglück. In dieses Chaos, das ich unmöglich ordnen kann.
Mein Leben ist wie eine winzige Wohnung in einem Wolkenkratzer. Ich sehe den Himmel, wenn ich hinausschaue, ich sehe die Sterne in der Nacht wie die Träume am Himmel meiner Wahrnehmung. Ich sehe die Menschen unten in den Straßen und frage mich, wie es wohl wäre, sie zu sein. Ich sehe die Vögel über mir und frage mich dasselbe. Ich könnte hinausgehen und schauen, was dort auf mich wartet, aber im Grunde weiß ich, dass es nicht viel sein kann; dass es nicht viel sein kann, weil mir zu vieles fehlt, das gute Menschen heutzutage auszumachen scheint. Gutes Aussehen, Geld, Selbstbewusstsein. Ohne zumindest eins davon kommt man nicht weit. Und vielleicht will ich auch gar nicht; vielleicht will ich mein vertrautes Leben auch gar nicht verlassen, weil ich mich nicht ändern will, für eine Gesellschaft, die es nicht verdient hat, dass man sich für sie verändert, weil sie es erwartet. Weil sie es verlangt. Vielleicht will ich mein viel zu kleines, vertrautes Leben nicht verlassen, weil ich gar nicht weiß, wie es ist, sich nicht eingeengt zu fühlen.
Ich in meinem Leben bin wie meine Seele in meinem Körper. Das erste ist scheinbar nicht viel wert, wenn mit dem zweiten alles nicht stimmt.
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