Willkommen

Willkommen liebe Leser, Autoren und Kreative! Endlich habe ich für euch einen Blogbeitrag, den ich schon sehr lange angekündigt habe. Ich möchte euch über das Genre „Solarpunk“ berichten – das Genre, in dem mein neustes Buch Neon Birds spielen wird. (Nicht ausschließlich, aber einige Elemente des Worldbuildings sind Solarpunk-Elemente.) Weil dieses Genre noch recht unbekannt ist, nehme ich euch heute ein Stück mit in die Welt, die Prinzipien und zeige euch, dass das Genre vielleicht doch nicht so unbekannt ist, wie ihr vielleicht denkt. Außerdem berichte ich darüber, warum es, auch wenn es einem manchmal gar nicht so vorkommt, nicht falsch ist, noch sehr viel Hoffnung in unsere Welt und ihre Entwicklung zu setzen.

„Unsere Welt geht den Bach runter“

Okijen aus Neon Birds im Solarpunk-Setting, illustriert von Mona Finden.

Das ist ein Gedanke, den viele Menschen in ihrem Leben sicherlich schon mehr als einmal hatten. Oder? Und was hat man auch zu lachen? kann man schnell denken, wenn man sich tagtäglich mit dem Neusten aus der Welt beschäftigt. Die Nachrichten sind voll von Krieg, Terror, Morden, Waldbränden und und und. Die Liste ist endlos. Gern verpackt in knackige Headlines, die alles, so pointiert auf den Punkt gebracht, um Klicks zu bringen, oft noch in einem schlimmeren Licht darstellen. Die Menschen allgemein wirken irgendwie unzufriedener, sowohl im Internet als auch im persönlichen Umfeld.

Da baut sich irgendwie ein Druck auf. Etwas, das danach schreit, sich bald entladen zu müssen. Und wer weiß, ob es die Menschheit 2100 überhaupt noch gibt.

Steht es wirklich so schlecht um unsere Welt?  Es scheint manchmal so, denn gute Nachrichten wirken im Vergleich zu all dem Negativen, mit dem man konfrontiert wird, oft marginal wie Tropfen auf dem heißen Stein. Mit Sprüchen wie „Das hat meinen Glauben in die Menschheit wiederhergestellt“ werden auf sozialen Medien oft süße Videos von Menschen geteilt, die Tieren aus einem Baum oder einem Abwasserkanal helfen – was natürlich tolle Taten sind (ich weine bei diesen Videos auch immer), aber die Gesamtheit des Stresses, dem man unterliegt, nicht tilgen kann.

Wohin entwickelt sich also unsere Welt? Nicht nur für die Recherche für diesen Artikel, sondern auch bei der Recherche für das Buch bin ich auf etliche spannende Trends in der Welt gestoßen, die mir nie bewusst waren und die mich wahrlich überrascht haben. Der Schwede Hans Rosling, Gründer von Gapminder, befragt regelmäßig Menschen zu weltweiten Trends. Durchschnittlich weniger als 10% der Teilnehmer entschieden sich für die richtigen (positiven) Antworten. Alle anderen hatten deutlich düsterere Vorstellungen von der Realität und der Entwicklung unserer Welt in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Selbst Affen, die nur zufällig Antworten ausgewählt hatten, langen deutlich richtiger als die Testgruppen.

Ihr könnt den Test auch online selbst durchführen: Gapminder Test

Die Ergebnisse werden euch vielleicht überraschen. Gehen wir mal in ein paar weltweite Trends rein, die die Entwicklung unserer Welt vielleicht gar nicht mehr so schlecht aussehen lassen.

  • Die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, halbierte sich in den letzten zwei Jahrzehnten [Quelle]
  • Die Lebenserwartung steigt weltweit stetig an, nur in Afrika liegt sie noch unter 70 Jahren [Quelle 1] [Quelle 2]
  • An Malaria sterben jährlich halb so viele Menschen wie vor 15 Jahren, ebenfalls sinkt die Anzahl der jährlichen Todesopfer durch AIDS [Quelle – Für weitere Informationen und Statistiken könnt ihr das Tool bedienen, indem ihr die gewünschten Jahre auswählt und bei „Cause“ nach Todesursachen suchen. Dann wird euch die Entwicklung der letzten Jahre angezeigt.]
  • Mittlerweile werden weltweit mehr als 80% aller Kinder gegen Masern geimpft [Quelle]
  • In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde die weltweite Kindersterblichkeit um mehr als die Hälfte gesenkt: Von 12,6 Millionen Kindern (1990) auf 5,6 Millionen Kinder jährlich (2016). Allein seit 2000 konnte so laut UNICEF schätzungsweise 50 Millionen Kindern unter fünf Jahren das Leben gerettet werden. [Quelle]
  • Von der Weltbevölkerung über 15 Jahren kann inzwischen über 80% lesen und schreiben. [Quelle]

Und die Liste ist lang. Mehr Fakten gibt es im TED Talk von Hans Rosling auch live, falls ihr reinschauen wollt.

Wart ihr euch über all diese Dinge im Klaren? Viele Menschen sind das nämlich nicht.

Diese Statistiken bedeuten nun nicht, dass alles in Ordnung ist. Wie ihr eventuell auch in den verlinkten Quellenangaben oben seht, gibt es noch immer unzählige Menschen und Kinder, die Hunger leiden und keinen Zugang zu sicherem Wasser haben. Es gibt selbst in Deutschland etliche Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Millionen von Menschen, die jährlich Kriegen zum Opfer fallen. Es gibt noch immer viele Problemzonen, nicht jede stattfindende Entwicklung ist gut. Aber Daten wie diese oben zeigen, dass wir als Menschheit nicht in jedem Punkt versagen. Dass wir durchaus in der Lage sind, Gutes zu tun und zu schaffen.

Was ist Solarpunk?

Solarpunk ist ein Genre, das der Science Fiction ein Stück Freundlichkeit zurückgeben möchte – und den Menschen vielleicht auch ein Stück Hoffnung.

Weit gefasst ist Solarpunk ein Sub-Genre der Science Fiction, in dem sich die Welt vor allem auf erneuerbare Energien stützt. Diese Welt ist daher meist sehr grün und nachhaltig (daher auch der Name: angelehnt an „Solar“ von „Solarenergie), handwerkliche Tätigkeiten werden wieder in den Vordergrund gerückt und die Menschen engagieren und verbinden sich mehr in Gemeinschaften, beispielsweise in ihrer Nachbarschaft oder in ihrem Viertel. Darüber hinaus ist die Welt frei und offen, in dem Sinne, dass Menschen nicht mehr für Sexualität, Religion, Hautfarbe und dergleichen diskriminiert werden. Für die meisten großen Probleme unserer Welt (Energiekrisen, Umweltverschmutzung, Kriege) wurden Lösungen gefunden.

Die „Optik“ des Genres ist für gewöhnlich extrem freundlich und grün. Nicht dreckig, wie die meisten Cyberpunk-Welten, nicht klinisch sauber, wie wir es ebenfalls in vielen SciFi Filmen oder Büchern erleben. In Solarpunk findet die Menschheit ein Stück zurück zur Natur – und oft auch zu sich selbst.

Utopisch, oder?

Das klingt total utopisch. Mit allem, „was in unserer Welt gerade passiert“, wie kann’s da bergauf gehen? Ich selbst habe eine Umfrage auf Instagram gestartet und meine Follower befragt. Hier die Ergebnisse.

Wie schätzt ihr die generelle Entwicklung unserer Welt in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein?

Bergauf - 23%
Bergab - 77%

Was denkt ihr, wie sich unsere Welt bis 2100 entwickeln wird?

Zum Positiven- 27%
Zum Negativen- 73%

Da herrscht so viel Unzufriedenheit, auch in den eigenen Kreisen. Die Umweltschützer lehnen sich auf, machen „Stress“, Veganer halten einem vor, dass man kein Fleisch mehr essen darf und ah, Plastik und die JUGEND VON HEUTE UND EINFACH GENERELL. (Ungefähres Zitat aus einigen Diskussionen, die ich bereits geführt habe.)

Solarpunk-Inspiration: Supertrees bei den Gardens by the Bay in Singapur. Die bepflanzten Bäume aus Metall dienen unter anderem der Aufzucht von seltenen Pflanzen. Sie erzeugen durch Photovoltaik Elektrizität für Beleuchtung und Kühlsysteme, sammeln Niederschläge zur Bewässerung der Pflanzen und einige der Bäume dienen als Kühltürme für die Kühlsysteme in den Glashäusern.

Aber, liebe Freunde, aber … dass Stress herrscht, bedeutet ja, dass wir beginnen, in einen Dialog zu treten. Vielleicht ist der Umgangston zu harsch, aber wir sprechen über Themen, über die vor ein paar Jahren noch nicht gesprochen wurde. Wir sehen Probleme, die uns vor einigen Jahren noch nicht aufgefallen wären.

Wir sprechen über Dinge, die in unserer Welt noch nicht stimmen, und ja, da prallen Fronten aufeinander und da knallt’s verbal auch mal richtig heftig. Aber nur, weil es knallt, heißt es nicht, dass die Welt untergeht. Da werden Denkprozesse aufgebrochen, da werden von allen Seiten immer wieder neue Argumente eingeworfen – und sich immer wieder überprüfen zu müssen, sich immer wieder neu in seinen Denkweisen neu ausrichten zu müssen, sich eingestehen zu müssen, dass man selbst noch viele Dinge falsch macht und sie schwer zu ändern sind – und dieselben Prozesse vielleicht auch bei anderen in Gang zu setzen – das kann verdammt wehtun. Veränderung tut weh. Aber wer sagt, dass am Ende dieser Veränderung etwas Schlechtes stehen muss? Vielleicht ist diese Veränderung, dieses Gefühl des sich aufbauenden Drucks, auch etwas, das wir durchstehen müssen, um am Ende vor einer besseren Welt zu stehen.

 

Just a world that we all must share
It’s not enough just to stand and stare
Is it only a dream that there’ll be
No more turning away? – Pink Floyd – On the turning away

 

Diesen Gedanken fasst Solarpunk auf. Das Genre stellt einen krassen Kontrast zur Dystopie und auch zu vielen Cyberpunk-Werken dar, die sich vor allem durch düstere Zukunftsszenarien auszeichnen. Während im Hauptteil der aktuell publizierten Science Fiction Werke noch immer Schreckensszenarien behandelt werden, wie es mit unserer Welt zu Ende gehen könnte – oder wie es nach dem „Ende der Welt“ vielleicht noch ein Stück weiter geht – bietet Solarpunk einen deutlich hoffnungsvolleren Ausblick. Solarpunk gibt der Zukunft ein Stück ihres schillernden Glanzes zurück. Und zeigt, dass eine gute, freundliche, schöne Zukunft gar nicht so unrealistisch ist.

Warum ich dieses Genre für mein Buch gewählt habe

Ich war lange der Überzeugung, die Welt und die Zukunft unserer Welt positiv zu sehen, wäre extrem naiv. Ich habe Dystopien gelesen und geschrieben (das tue ich auch noch immer) und war der festen Überzeugung: So wird es enden. Das wird einmal aus unserer Menschheit werden. Aber nach und nach war ich diesem Pessimismus überdrüssig. Wenn ich in der Lage war, meinen Protagonisten trotz aller Widrigkeiten ein Happy End zu geben, warum sollte ich dasselbe nicht auch für unsere Welt tun können? Ich bin ein Optimist. Das heißt nicht, dass ich mit rosaroter Brille durch unsere Welt gehe, mich zurücklehne und denke „Wird schon werden“. Ich bin durchaus in der Lage, die Probleme zu sehen, vor denen wir stehen. Aber nur, weil ich optimistisch bin, bin ich in der Lage, über diese Themen nachzudenken, sie anzusprechen und anzupacken. Und warum sollte ich etwas, das ich im realen Leben praktiziere, nicht auch auf meine Buchwelten übertragen können?

 

Optimism is a strategy for making a better future. Because unless you believe that the future can be better, it’s unlikely you will step up and take responsibility for making it so. If you assume that there’s no hope, you guarantee that there will be no hope. If you assume that there is an instinct for freedom, there are opportunities to change things, there’s a chance you may contribute to making a better world. The choice is yours.” – Noam Chomsky

Luke aus Neon Birds in einem Solarpunk-Setting, illustriert von Mona Finden.

Ein Buch zu schreiben beginnt für mich mit einer Idee, mit einer Stimmung oder einem Gedanken, aber es entwickelt sich daraus so schnell so viel mehr. Ein Buch zu schreiben ist mehr als eine Laune für mich. Meine Texte spiegeln bewusst oder unbewusst viel von meiner eigenen Weltsicht wider. Sie legen nicht nur einen Großteil meines Mindsets offen, sie bieten mir auch die Chance, den Blick der Leser vielleicht ein wenig zu lenken. Auf Dinge und Umstände, die mir wichtig sind.

Klar. Neon Birds ist keine Abhandlung über die perfekte Zukunft. (Nicht vergessen: Es geht noch immer um Supersoldaten, die gegen Zombie-Cyborgs kämpfen). Aber dieses grüne Setting für mich zu wählen, eine Welt zu wählen, die sich zumindest sehr bemüht, zu einer guten Welt zu werden, bot mir nicht nur einen fabelhaften Grund, mich selbst mehr mit positiven Wegen für unsere Welt zu beschäftigen, sondern auch, mit meinen Lesern darüber zu sprechen. In einen Dialog darüber zu treten, wie es vielleicht auch sein könnte.

Das Genre ist sind nicht so unbekannt, wie ihr denkt!

Dieser Ansatz, dieses „lass es doch mal schön und grün versuchen“ ist tatsächlich auch nichts Neues. Dass ich das Rad nicht neu erfunden habe, ist klar, aber es gibt sogar sehr populäre Beispiele, die ihr eventuell noch nie aus der „Solarpunk-Perspektive“ betrachtet habt.

Bekannte Werke aus dem Solarpunk-Genre

Star Trek – Das Star Trek Universum und vor allem die Erde, auf der die Menschen des 24. Jahrhunderts leben, ist eine sehr freundliche. Geld ist obsolet (die Menschen gehen arbeiten, um sich selbst zu verbessern und zu verwirklichen), Technologie wird für das Gemeinwohl eingesetzt, Spaltungen zwischen Menschen verschiedener Geschlechter, Hautfarben, Religionen etc. scheinen verschwunden zu sein und die Erde blüht. Ein Moralkodex regelt das Handeln der Föderation. Irgendwann vor dem 24. Jahrhundert hat sich die Menschheit zusammengetan und aufgehört, die Welt zu verschmutzen, auszubeuten und gegeneinander zu kämpfen.

Black Panther – Bei genauerer Betrachtung geht auch das autoritäre Königreich Wakanda als Solarpunk-Element durch!

Pokémon – Schon mal jemanden in Pokémon mit dem Auto fahren sehen? Nein. Die Leute gehen alle zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad. Energie wird über Pokémon gewonnen und auch die Industrie- und Fertigungsanlagen werden mithilfe von Pokémon betrieben. Das Franchise ist so gesehen also auch in einem Solarpunk-Setting angesiedelt.

Viele Werke von Hayao Miyazaki, die mit Thematiken und Optiken, die dem Solarpunk ähnlich sind, behandelten wichtige Themen des Genres bereits, bevor das Genre selbst einen Namen hatte. Sie prägten das Genre nicht unbedeutend.

Weitere Beispiele findet ihr hier, unten aufgelistet: Solarpunk – Beispiele

Links & Verweise

Arte TV: Solarpunk – die sonnige Therapie gegen Endzeitstimmung

Weltenbau-Wissen: „Solarpunk“ will Science-Fiction den Optimismus zurückgeben

Sueddeutsche: Eigentlich geht es der Menschheit gut – und dieser Mann kann es beweisen

What is Solarpunk?

TV Tropes: Solar Punk

3 Kommentare
  1. Mewa
    Mewa sagte:

    Ich sehe Hans Rosling mega kritisch und habe in sein Werk Factfulness vor einigen Monaten im Zuge einer Prüfung an der Uni reingelesen, zeitgleich aber auch in Grenzen des Wachstums von Club Rome, was zwei komplett unterschiedliche Sichtweisen auf eine ähnliche Thematik sind. Rosling war keine Empfehlung unserer Professors, sondern das Gegenteil: Ein gutes Beispiel von einer nicht so guten Methodik.

    Was mir an Roslings Werk, mal von seinem im Buch doch ziemlich condescending Tonfall – was bei einem Sachbuch einfach nicht geht – noch stark aufgefallen ist, sind die spezifisch ausgewählten Worte. Etwa „von der Anzahl der Menschen die in [extremer] Armut“ leben und dann Statistik. Oder „Wie viel Prozent der Mädchen in Ländern mit [niedrigen Einkommen] können lesen und schreiben?“
    Was ist „extrem“? Was ist „niedriges Einkommen“?
    Das Problem mit Rosling ist, dass er generell immer nur bestimmte Punkte abhakte, andere ignorierte. In seinem Werk werden die Dinge nicht unbedingt sozialkritisch und politisch betrachtet und womit er gewisse Probleme ganz außen vorgelassen hat, wie etwa den Aufstieg des Rechtsradikalismus in Europa und Asien in den letzten Jahren. Aber auch naturwissenschaftlich gesehen hat er einfach keine handfesten Argumente. Klar haben wir mehr Medizine und können Krankheiten mittlerweile besser bekämpfen. Frauen haben mehr Rechte als vor 100 Jahren weltweit, die Bildung steigt.
    Aber wie sieht es mit dem Meeresspiegel aus? Wie sieht es mir den Jahreszeiten aus, mit der Erderwärmung? Außerdem betont er so oft, wie gut es den Menschen in den ärmeren Ländern geht – er teilt die Welt in Levels statt 1.Welt, 2.Welt etc aus, was an sich ein guter Gedanke ist, aber irgendwie auch das Bild vermittelt, dass es den Leuten dort drüben eh ganz gut geht. Dann muss ich aber an Syrien und Sudan denken. Über Imperialismus und Kolonialgeschichte verliert er dabei generell nie auch nur ein Wort. Und da ich selbst aus einem Land stamme, das Leute als „3. Welt“ bezeichnen bzw Rosling würde Level 3 dazu sagen, finde ich seinen Optimismus oft einfach fehlleitend. Denn seine Sicht ist nunmal westlich geprägt und kommt in dem Sinne auch viel mehr dem Westen zu Gute.

    Aber das trifft gerade nicht auf dich und dein Post zu, ich bin einfach kein Fan von Rosling xD

    Eigentlich stimme ich mit dem Grundsatz überein, dass man optimistisch bleiben muss und immer etwas verändern kann, bzw nicht alles den Bach runtergeht. Stimmt ja auch und stehe voll dahinter, aber ich erwarte bei solchen Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechungen noch mehr Feingefühl und kritische Auseinandersetzung, die ich btw in „Grenzen des Wachstums“ fand. Um die Welt zu bessern, muss man klein anfangen und sich langsam und strukturell hocharbeiten. Ich denke das Rosling sich oft in der Größe seiner Gedanken verloren hat. Er war eben ein Träumer, daran ist nichts falsch. Ich glaube aber, auch wenn ein gewisser Grad an Optimus wichtig ist, muss man va sehr realistisch bleiben. Zu viel Optimismus hat bei mir zumindest oft dazu geführt, dass ich mir zu viel vornehme und erwarte – im Sinne ein besserer Mensch zu werden, mehr für die Umwelt zu tun – dann nicht mehr hinterherkam bzw nicht genug Ressourcen hatte, was wiederum in einer mieseren Sichtweise auf alles resultierte – denn was soll ich noch alles tun, wo fange ich an? Ich denke man ist optimistisch, wenn man generell an Veränderung glaubt, muss aber bei der Herangehensweise realistischer bleiben 🤔 Was aber auch heißt: Der Pessismus gerade in den täglichen Medien muss unbedingt weg. Der bringt tatsächlich absolut keinem was

    Danke dir für diesen Beitrag, ich habe so einiges über Solarpunk gelernt ❤️ Bin schon gespannt zu sehen, wie die Endfassung von Neon Birds ist!

    LG
    Mewa

    Antworten
    • mariegrasshoff
      mariegrasshoff sagte:

      Hi Mewa,

      wow, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ich stimme dir da absolut zu, je tiefer ich mich in Roslings Videos und Thesen reingearbeitet hab, umso mehr dachte ich auch, dass er es mit dem Optimismus vielleicht auch zu einseitig sieht. Denn sobald ich nach Quellen außerhalb von Gapminder nach Statistiken gesucht habe, war die ganze Sache plötzlich nicht mehr so einseitig positiv. Was ich bei ihm trotzdem gut finde, ist dass er – oberflächlich betrachtet – recht gut darin ist, die positiven Seiten unserer Entwicklung zusammenzustellen. Nimmt man die, plus die negativen Seiten unserer Welt, entsteht ein (in meinen Augen) viel realistischeres und volleres Bild, als das, das die Medien zeichnen. Ein Bild, das sagt: Ja, wir haben noch verdammt viel Handlungsbedarf, aber wir können es schaffen, etwas zu bewegen, denn wir haben es auch schon in anderen Punkten geschafft, eine Verbesserung zu erzielen.

      Generell betrachte ich ihn auch eher kritisch, weil seine Videos und Thesen (das Buch habe ich leider nicht gelesen) fast ein Gefühl von „Na gut, dann kann ich mich ja zurücklehnen“ erzeugen. Die Nachrichten und News, die man im Alltag bekommt, sind das krasse Gegenteil und erzeugen bei mir eher ein „Na gut, da kann man ja eh nichts mehr machen“. Ein realistischer Mittelweg ist das Ziel, nach dem wir streben sollten. Denn Optimismus ist tatsächlich Key, denke ich. Solange die Menschen das Gefühl haben, es ging schon immer alles bergab und das wird es auch weiter tun: Woher soll dann überhaupt noch die Kraft kommen, sich aufzurichten und etwas zu tun?

      Alles in allem: Zustimmung zu dem, was du gesagt hast, danke für diese kritische Betrachtung! :)
      „Grenzen des Wachstums“ schaue ich mir auf jeden Fall mal an!

      Liebe Grüße
      Marie

      Antworten
      • Mewa
        Mewa sagte:

        Liebe Marie, (pardon me, habe vorhin total auf eine Begrüßung vergessen haha, bei solchen Themen gehe ich immer mega auf)

        stimme dir da auch mit allem total zu! So ein Mittelweg ist tatsächlich das Realistischste, man muss betonen, dass es nicht immer bergab ging, sondern Entwicklung vorhanden ist und eben dadurch auch an den Stellen gearbeitet werden kann und soll, die noch „leaken“

        „Grenzen des Wachstums“ (va das Update) kann allerdings auch hin und wieder pessimistischer in seinem Ton sein, aber das Ziel des Projekts ist vor allem, Menschen dazu zu bringen, etwas zu tun und wie du sagst, bei Rosling bleibt das Gefühl ein wenig aus. Man sollte aber generell immer jede Art von Zukunftsprognosen und Statistiken kritisch sehen, denn so wirklich eine Zahl findet man da tatsächlich nie. And in the end, it is always about what you do with the information, das zählt

        Btw Noam Chomsky mag ich auch sehr, fand es spannend, dass du ihn zitierst 😄 Einer der wenigen modernen Philosophen, die ich gern lese!

        Liebe Grüße
        Mewa

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